Der Weihnachtsbaum
von Heinrich Seidel
Schön ist im Frühling die blühende Linde, Schön ist im Sommer die ragende Eiche, Schön ist im Herbste des Apfelbaums Krone, Aber noch schöner weiß ich ein Bäumchen, Von seinen Zweigen ein träumerisch Düften Dieser will uns am besten gefallen,
bienendurchsummt und rauschend im Winde,
hold von lieblichen Düften umweht.
die riesenhafte, titanengleiche,
die da in Wettern und Stürmen besteht.
die sich dem fleißigen Pfleger zum Lohne
beugt von goldener Früchte Pracht.
das gar so lieblich ins ärmlichste Räumchen
strahlt in der eisigen Winternacht.
Keiner kann mir ein schöneres zeigen:
Lichter blinken in seinen Zweigen,
goldene Äpfel in seinem Geist,
und mit schimmernden Sternen und Kränzen
sieht man ihn leuchten, sieht man ihn glänzen
anmutsvoll zum lieblichsten Fest.
weihrauchwolkig weht in den Lüften,
füllet mit süßer Ahnung den Raum!
ihn verehren wir jauchzend vor allen,
ihn, den herrlichen Weihnachtsbaum!
